Sonntag, 8. April 2012
Der Seitenbacher-Terror oder wie ich zum Müsli-Hulk wurde
Ich habe Angst! Ich gebe es zu. Ich habe Angst, morgens mein Radio anzuschalten. Denn ER könnte wieder da sein… ER… Der Seitenbacher Schwabe! Gerade noch hat irgendein austauschbares Pop-Produkt mich im wohligen Wachkoma auf den Weg zum Kühlschrank begleitet, da schallt es aus dem kleinen Kasten zu mir herüber: HAAA JOOO, WEISCHT WASCH, SEIDENBACHER, MUSCHT PROBIERE SEIDENBACHER, ISCH GUT FÜR DIE VERDAUUNG, SEIDENBACHER!!!!!!
Und schon ists vorbei mit dem wohligen Wachkoma. Diese gebündelte Penetranz, mit der dieses „SEIDENBACHER“ quasi wie mit einem Feuerwehrschlauch in meine Gehörgange gepresst wird, lässt mich nicht nur wach werden… Nein! Ich bin nicht nur wach, ich bin auch sofort aggressiv! Zum Glück begegne ich um diese Uhrzeit in der Regel niemandem in meiner Küche, denn es drängen sich unweigerlich Bilder vor mein inneres Auge, wenn ich diesen Schwabmaten morgens höre… Bilder, die nicht gesund sein können. Das eine Bild ist ein gefesselter und geknebelter Schwabe, der in einer verlassenen Lagerhalle sitzt, vor ihm ein Tisch mit 100 Tüten Seitenbacher Müsli. Und ich zwinge ihn alles aufzuessen (natürlich, nachdem ich ihm den Knebel abgenommen habe) und dann frag ich ihn, ob das wirklich immer noch so gesund für seine Verdauung ist, doch er kann mir nicht mehr antworten, denn er ist unter einem Haufen Seitenbacher erstickt… Die anderen Bilder sind recht unterschiedlich, sie reichen von verprügeln über würgen und überfahren bis von einem Hochhaus schmeißen…
Ich sagte ja, diese Bilder sind nicht gesund… Aber andererseits sind sie bestimmt gerechtfertigt. Niemand macht so eine Werbung, ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein. Wahrscheinlich haben sich die Macher dieses Spots gefragt, wie man es schaffen kann, dass die Radiohörer Notiz von der Werbung nehmen und nicht über sie hinweghören, wie bei dem ganzen anderen Scheiß, der da tagtäglich läuft. Sowas geht halt nur über Emotionen, nur sollte man sich vorher Gedanken darüber machen, welche Emotionen man da wecken will. Sicher, dieses Dreckszeug hat sich in mein Gedächtnis gebrannt, aber will ich wirklich ein Produkt kaufen, das mich aggressiv macht, sobald ich auch nur seinen Namen höre und drohe jedem an die Kehle zu springen, der es auch nur wagt, dieses Wort in meiner Anwesenheit über die Lippen zu bringen? Seitenbacher ist für mich also im Grunde das, was Aufregung für den Hulk ist, so siehts aus.
Inzwischen habe ich mir eine Fernöstliche Meditationstechnik angeeignet, die mich nicht mehr explodieren lässt, wenn ich irgendwo den Namen Seitenbacher lese oder höre und das Radio versuche ich auch weitestgehend zu vermeiden, denn alle bisherigen Versuche, mich auch beim Anhören des Werbespots unter Kontrolle zu halten sind bisher gescheitert. Das ist auch der Grund dafür, dass ich in meinem Keller gerade an einem revolutionären Gerät arbeite. Sollte es eines Tages funktionieren, wäre es in der Lage innerhalb von Millisekunden einen Seitenbacher-Spot zu erkennen und ihn akustisch mit dem Geräusch eines auf offener Flamme garenden Hamburgers zu überlagern. Wünscht mir Glück, denn sollte ich scheitern und Seitenbacher seine Spots nicht einstellen, wird irgendwann der Tag kommen, an dem ich ihm nicht entrinnen kann… Und dann meine Freunde, dann gnade euch Gott!

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